Wenn mein Weg zum Bahnhof führte, lief ich immer an einer Kiefer vorbei. Mein Blick schweifte jedes Mal auf diesen imposante Baum mit seinen ausladenden Ästen. Für mich ist dieser Baum etwas Besonderes. Er hat in China und Japan eine grosse Bedeutung. In Japan steht die Kiefer für Langlebigkeit, Stärke und Zeitlosigkeit. In China ist die Bedeutung ähnlich. Die Kiefer gehört zusammen mit dem Bambus und Pflaumenbaum zu "den drei Freunden des Winters".
Jetzt ist "meine" Kiefer nicht mehr.
Wer weiss, wie viele Jahre sie im Garten wachsen durfte. Vieles veränderte sich um sie herum. Sie sah eine unglaubliche Zahl an Menschen, die grösstenteils achtlos an ihr vorbei eilten. Sie stand sicher vor den Geleisen und den Strassen, die in ihrer Umgebung gebaut wurden. Häuser wurden abgerissen und neu gebaut. Die Kiefer sah diese Veränderung. Auch das Haus in ihrem Garten wurde verändert. Der Platz über ihren Wurzeln wurde mit Steinen bedeckt. Zwar war Platz für die Natur. Gras spriesste, doch ob die Wurzeln genügend Wasser bekamen – ich glaube nicht. Einige Nadeln waren bereits braun. Jedes Jahr sah die Kiefer erbärmlicher aus. Sie war krank und niemand unternahm was. Die Stürme trugen das Ihrige bei. Morsche Äste fielen zu Boden.
Sie tat mir so leid. Ihre Stärke und ihre Langlebigkeit nur noch Worte. Sie liegt im Sterben und niemand merkte es.
Vor einigen Tagen nun, war alles vorbei. Geblieben ist nur der Baumstrunk der stolzen Kiefer. Wie ein Mahnmal lugt der kümmerliche Rest aus dem Boden. Die grosse Tanne und der kleine Lindenbaum sind nun alleine. Wer weiss, wenn auch ihr Zeit geschlagen hat.
Die Kiefer ist rechts vom anderen Baum. Diesen hatte ich in erster Linie aufgenommen, da mir beim Betrachten des Stammes ein Gesicht auffiel.

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